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EMW-Jahresbericht 2010/2011: "Populär und prosperierend - Zur pfingstkirchlich-charismatischen Dynamik in Afrika"
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Vielfältige Kontakte zwischen ChristInnen in Deutschland und Korea – Auch das EMW unterstützt friedenspägadogisches Heilungs-Zentrum in Seoul
Ein fragwürdiges Staunen hatte die Welt ergriffen, als aus den Krisenregionen des Balkans über planmäßige Vergewaltigungen in den 90-er Jahren berichtet wurde. Doch dann begannen auch deutsche Frauen – viele zum ersten Mal – von ihren Kriegserfahrungen zu sprechen. Deshalb traf der Wunsch koreanischer Frauen, die die Gebetsordnung für den Weltgebetstag im Jahr 1997 vorbereitet hatten und um Spenden für die Zwangsprostituierten in ihrer Heimat, den so genannten Comfort Women baten, in der kirchlichen Öffentlichkeit in Deutschland auf Ohren, die auf das Unvorstellbare gefasst war.
Daraufhin initiierte das Nordelbische Frauenwerk im Rahmen des Weltgebetstages zusammen mit einer deutsch-koreanischen Frauengruppe eine Unterschriften-Aktion. Mit den 67.000 Unterschriften, die dem persönlichen Referenten des damaligen japanischen Ministerpräsidenten direkt übergeben wurden, sollte die japanische Regierung dazu bewogen werden, endlich die schreckliche Verantwortung des japanischen Militärs und die Klagen und die Rechte der Frauen anzuerkennen.
Leider ist das internationale Interesse nicht wirklich gewachsen. Die Stimmen derjenigen, die in Japan die historische Schuld anerkennen und daraus Konsequenzen ziehen wollen, werden schwächer. Die Bereitschaft deutscher Gemeinden, das Trauma-Heilungs-Zentrum in Südkorea zu unterstützen, ist bedauerlicherweise sehr gering. Ist Ostasien, trotz vielfacher Beziehungen zu deutschen Kirchen, völlig aus dem Blickpunkt geraten? Hat Frauengeschichte keine Konjunktur?
Weit entferntes Asien
Den ersten deutschen Kirchendelegationen nach Südkorea Mitte der sechziger Jahre war die Ähnlichkeiten deutscher und asiatischer Geschichte bewusst geworden. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die Teilung Deutschlands und Koreas, wenn auch unter unterschiedlichen Vorzeichen; das gegenseitige Interesse wurde dadurch gestärkt und in Deutschland wuchs eine Solidarität für die Demokratiebewegung in Südkorea. Beziehungen zur Minjung-Bewegung (religiöse Volksbewegung innerhalb koreanischer Gemeinden) und zu Kirchen in Südkorea entstanden. Personalaustausch und regelmäßige Besuche vertiefen die Beziehungen und zeigen, dass koreanische Christen und Christen in Deutschland bei allen signifikanten Unterschieden gemeinsame Anliegen und Aufgaben haben.
Seit der Vereinigung in Deutschland und der Demokratisierung in Südkorea gehören Begegnungen zwischen kirchlichen Vertretern Nordkoreas und Südkoreas zu den Dingen, die von der EKD, dem Evangelischen Missionswerk in Deutschland (EMW), dem Evangelischen Missionswerk in Südwestdeutschland (EMS), dem Berliner Missionswerk (BMW) und der Evangelischen Kirchen in Hessen-Nassau sehr unterstützt werden. Gemeindeentwicklung, missionarische Aufbrüche aber auch Fragen sozialer Mit-Verantwortung von Kirchen in der Gesellschaft beschäftigen beide Seiten gemeinsam. Mit der Frage der Bewältigung der Geschichte, gerade auch in Bezug auf die Frauengeschichte(n) mitsamt all den damit verbundenen und oft schwierigen Themen für die in Fragen von Prostitution, Sexualität, Scham, Männer- und Frauengeschichte, aber auch allgemein in Gender- Fragen konservativ ausgerichteten Kirchen in Korea (und in Japan) hat sich ein weiteres gemeinsames Thema herauskristallisiert, das sich auch (leider) nicht so schnell erledigen wird.
Aufbruch
In Korea wurde die sexuelle Versklavung von Frauen durch Japan in einer Phase bekannt, als gewalttätige Auswüchse der Militärregierung heftige Studentenunruhen provozierten und die Demokratisierungsbewegung langsam Bedeutung gewann. 1986 wurde sexuelle Gewalt zu einem öffentlichen Thema, als es einer Frau gelang, die Regierung dafür gerichtlich zu belangen, dass sie von der Polizei sexuell gefoltert worden war. Angesichts der Olympischen Spiele in Seoul 1988 machte sich gerade auch von kirchlichen Frauengruppen heftiger Protest gegen den Sextourismus nach Ostasien und speziell nach Südkorea bemerkbar.
In dieser Atmosphäre wurde es im April 1988 möglich und zugleich notwendig, die Ergebnisse der Forschungen zu veröffentlichen, zu denen die Professorin Yun Chung-ok in den 70-er und 80-er Jahren gekommen war. Eine Forschungsgruppe wurde eingerichtet und wenig später der „Council for the Women Drafted for Sexual Slavery“ gebildet, der bis heute von Frauengruppen aus dem kirchlichen und dem säkularen Bereich, sowie aus der Wissenschaft getragen wird. Mit Hilfe von Geldern des Deutschen Kommittees des Weltgebetstages wurde 1999 eine umfangreiche Öffentlichkeits- und Schulungsarbeit aufgebaut. Der Council hat ein Büro, einen Ausstellungs- und Vortragsraum und ein besonderes Zimmer für „die Großmütter“ – wie sie genannt werden – , die kommen, um ihre furchtbare Geschichte zu erzählen oder die einfach nur einen Raum suchen, in dem ihre Geschichte gehört und aufgenommen wird.
Im Jahr 1991 waren die ersten Stimmen von Frauen in Korea vernehmbar, die anfingen davon zu erzählen, wie sie – viele davon als sehr junge Mädchen – unter falschen Versprechungen angeworben oder verschleppt und eingesperrt wurden, um von den japanischen Soldaten als Prostituierte benutzt zu werden. Fast sechzig Jahre lang haben die Frauen darüber geschwiegen und nicht gewagt zu reden. Einige haben am Ende ihres Lebens doch die Kraft gehabt, zu reden. Mittlerweile haben sich tausende Überlebende (Chinesinnen, Taiwanesinnen, Philippinas, Indonesierinnen und im damaligen Niederländisch- Ostindien lebende Holländerinnen) zu Wort gemeldet.
Seit dem 1. August 1992 organisiert der Council an jedem Mittwoch der Woche eine Demonstration vor der Japanischen Botschaft. Internationale Aufmerksamkeit bekam diese Arbeit und damit die Geschichte der Frauen durch die erste Solidaritätskonferenz in Seoul, an der auch Frauen aus Taiwan und den Philippinen teilnahmen. Klagen wurden in Japan eingereicht, die Internationale Kommission der Juristen sprach 1994 die Empfehlung aus, dass Japan jedem Opfer eine Entschädigungssumme von US$ 40.000 zahlen soll, dies legalisieren und einen Vertrag schließen soll.1999 empfahl die Ständige Kommission der ILO (Internationale Arbeitsorganisation), die von Beginn an der Arbeit des Councils beteiligt worden war – denn die Verschleppung der Frauen entweder unter dem Vorwand Arbeit und Einkommen zu bieten erfolgt, oder als Zwangsarbeit deklariert worden – der japanischen Regierung, aktiv zu werden.
Aufgrund der internationalen Vernetzung von vielen Initiativen hat im Dezember 2000 in Tokio ein Kriegsverbrechertribunal statt gefunden, das zum ersten Mal in der Geschichte systematische Vergewaltigungen durch eine Armee richtet. Ein Jahr später wurden in Den Haag die Urteile gesprochen. Auch, wenn die Urteile im Fall der japanischen Armee keine juristischen Konsequenzen haben werden, haben die Veranstalterinnen, vor allem aber die Frauen, die anfingen zu erzählen, erreicht, dass Vergewaltigung im Krieg nicht das Recht eines „sieghaften Soldaten“, sondern ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist. Auch, wenn sich die großen Kirchen in Korea und den anderen ostasiatischen Ländern, die unter japanischer Besetzung standen, schwer tun, sexuelle Gewalt offen zu thematisieren, haben die Gruppen ihren Kirchen einen großen Dienst erwiesen.
Pfarrerin Maren von der Heyde ist Leiterin des Referates Asien/Mittlerer Osten im EMW
Lesetipp:
Länderheft WELTMISSION HEUTE 42: Korea & Japan – Ein schwieriger Weg der Versöhnung, zu bestellen im EMW