
Titelbild: Harald Oppitz/KNA
Die "EineWelt" 1/2012 ist jetzt lieferbar! Schwerpunktthema ist "Im Namen der Religion: Wie der Glaube Konflikte schürt - und wie er zum Frieden führen kann"
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EMW-Jahresbericht 2010/2011: "Populär und prosperierend - Zur pfingstkirchlich-charismatischen Dynamik in Afrika"
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Deutsche Erfahrungen im Umgang mit der Teilung des Landes wurden bei einer Internationale Friedenskonferenz in Korea abgefragt. Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religiosität beschäftigten sich mit der Friedensfrage in Fernost.
Dort, wo der Kalte Krieg am heißesten ist, herrscht seit nunmehr fünfzig Jahren Waffenstillstand. Der Friedensvertrag zwischen den USA mit Nordkorea gibt es noch immer nicht. Können Christen und Buddhisten aus der Region und aus den alten Kriegsparteien den Weg zum Frieden bereiten?
Die Evangelische Kirche in Deutschland als langjähriger ökumenischer Freund von Kirchen in Süd- und Nordkorea war im November 2003 eingeladen, das (süd-)"koreanische Friedensforum" bei der ersten interreligiösen Friedenskonferenz in Seoul zu unterstützen, verbindet doch die Kirchen der ehemaligen DDR und der alten Bundesrepublik und die Kirchen in beiden Teilen Koreas die Erfahrung der Teilung. Seit den siebziger Jahren führt daher die Ostasienkommission des Evangelischen Missionswerkes in Deutschland Kirchenkonsultationen durch, um voneinander ökumenisch zu lernen.
Im fünfzigsten Jahr des Waffenstillstands (2003) wurde jetzt der längst weltweit gewordene ökumenische Beratungsprozess mit den interreligiösen Bemühung um Frieden in Korea verbunden. Dies war die Leistung der evangelischen Theologen Dr. Kang Won-Yong, dem ehemaligen Direktor der Christlichen Akademie Seoul, die heute demonstrativ "Akademie für Dialog" heißt, und des von ihm 1986 gegründeten südkoreanischen Zweiges der Weltkonferenz der Religionen für den Frieden (WCRP).
Es war höchste Zeit für diese Bemühung:
Kang Won-Yong hatte anlässlich des einmaligen historischen Treffens im Juni 2000 in Pjöngjang zwischen den Präsidenten Nordkoreas Kim Jong-Il und Südkoreas Kim Dae-Jung im August 2000 das politische (süd-)"koreanische Friedensforum" gegründet. Wie er gegenüber einem EKD-Delegiertem betonte, hatte der Nationale Kirchenrat Südkoreas schon vor 22 Jahren als Ergebnis der damaligen Deutsch-Koreanischen Kirchenkonsultation im Mai 1981 einen ökumenischen Ausschuss für die Wiedervereinigungsfrage eingesetzt – eine Frucht dieser deutsch-koreanischen ökumenischen Freundschaft.
Gelingen konnte die interreligiösen Friedenskonferenz, bei der mehr als fünfzig Delegierten ihrer Religionen aus Südkorea, Japan, Russland, USA (Buddhisten und Christen aus China und Nordkorea fehlten leider noch) zugegen waren, weil im August 2003 die Sechs-Parteien Gespräche in Peking zwischen den Regierungen von Nordkorea, Südkorea, China, Japan, Russland und den USA festgestellt hatten: Den Frieden Koreas gibt es nur noch gemeinsam in Nordostasien. Dies ist übrigens eine Lektion, die oft in den deutsch-koreanischen Kirchenkonsultationen angesprochen worden war, wo Christen aus beiden Teilen Deutschlands von den guten Erfahrungen mit dem europäischen "Helsinki-Prozess" berichten konnten, der die "deutsche Frage" ebenfalls regional beantwortete.
Anzumerken ist, dass die Stimme Nordkoreas trotzdem gehört werden konnte, denn der Nationale Kirchenrat der USA hatte kurz vor der Friedenskonferenz Nordkorea besucht, und bei der Konferenz – auch in Kritik an der Politik der eigenen Regierung – die Position der nordkoreanischen Christen dargestellt.
Das Anliegen des Forums war, die Religionen aus den Sechs-Parteien Gesprächen vom August 2003 zusammenzuführen, wobei die EKD als einzige Kirche aus einem nicht beteiligten Land eingeladen war. Die Konferenz beschloss, dass die beteiligten Religionsgemeinschaften künftig ihre Arbeit zu Frieden in Korea miteinander, also interreligiös, zu koordinieren. Die Teilnehmer verpflichteten sich auch zur Zusammenarbeit zwischen den Religionen und der Friedensbewegung ihrer Länder. Dazu werden sie die Religionen in den Ländern der Sechs-Parteien Gespräche ermuntern, nicht mehr alleine, sondern gemeinsam zu arbeiten. Die Weltkonferenz der Religionen für den Frieden (WCRP) wurde gebeten, parallel zum nächsten Sechs-Parteien Gespräch der Regierungen eine Friedenskonferenz der Religionen aus den sechs Ländern abzuhalten.
Pfarrer Gerhard Köberlin ist Studienleiter an der Missionsakademie Hamburg und besuchte als EKD-Delegierter die Friedenskonferenz in Seoul (23.1.2004)