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Meldung im Detail

02.02.2005

Erster Schultag nach der Flutwelle

Gedanken von Schülern der Deutschsprachigen Schule Bangkok (dssb)

Plötzlich ruft meine Tante an und fragt: „Seid ihr in Phuket oder in Khao Lak?“ Meine Mutter hat gesagt: „Nein, wir sind in Vietnam.“ Meine Mutter hat mit ihr geredet und wusste, was passiert war. Wir waren im Hotel und haben im Fernseher geschaut. Ich habe mich einfach so gewun-dert, was da passiert ist. Ich habe gesagt: „Was soll denn das im Fernsehen, das stimmt doch gar nicht.“ Meine Mutter hat erzählt, was Tsunami ist und was da passiert ist. Ich habe mich sehr erschrocken. Ich habe vielmals Fernseher geschaut. Es ist soo schade, dass soooooo vie-le Menschen gestorben sind. Ich wünsche den Leuten, die noch leben, sehr viel Glück und viel Geld. Wenn wir dann in die Landschulwoche gehen, ans Meer, da habe ich keine Angst, nur ein ganz, ganz kleines bisschen Angst.


Das Unglück im Süden Sonntag, ein Tag voller Lust. Aber plötzlich kam eine Warnung über ein großes Erdbeben. Aber am Strand Familien, Kinder und Erwachsene, sie spielen, baden und spazieren. Aber niemand wusste, was in ein paar Minuten passiert. Plötzlich kam es, aber die Leute stehen still und gu-cken zu. Danach gab es zehn Minuten voller Geschrei und Leute, die weggewischt wurden. Leute halten sich fest an allem, was sie sahen. Es kam nicht als Erdbeben, aber als sehr große Wellen. 100.000 Tote und Verlorene. Aber wie man auf Englisch sagt: Nature fights back.


Angesichts dieser Katastrophe wurde mir klar, wie nahe Leben und Tod wirklich sein können. Es war diese Unfähigkeit, nichts gegen das, was sich abspielte tun zu können, die mich am meisten belastete. Meine Gefühle waren dennoch etwas gedämpft. Dies lag vermutlich daran, dass es einfach zu viele Eindrücke auf einmal waren; zu viel Zerstörung, zu viel Leid und Kummer.

Als ich unmittelbar nach der letzten Welle mich zwingen wollte, etwas Frühstücken zu gehen, um wieder etwas zur Normalität zurückzukehren, kamen immer noch weinende Touristen vom Strand, die von Einheimischen getröstet und gestützt wurden. Verletzte und Tote wurden im Mi-nutentakt von der Polizei vor meinen Augen abtransportiert. Bilder wie diese werde ich in mei-nem Leben nie vergessen.

Tiere im Tsunami-Gebiet

Denkt man eigentlich auch an die Tiere, die im Tsunami-Gebiet waren oder ist das nicht nötig? Eigentlich nicht, denn es gab fast kein totes Tier, weil sie mit ihrem Instinkt weggelaufen sind. Zum Beispiel in Phuket gibt es ein Elefantenheim. Alle Elefanten sind in Richtung Berge ab-gehauen. Jeder, der auf ihrem Weg war, haben sie mit dem Rüssel hochgehoben, auf den Rü-cken gesetzt und sind mit den Leuten in Richtung Berge gerannt. So haben sie Leute gerettet. Deswegen, denke ich, sollte man nicht nur den Menschen, sondern auch den Elefanten dan-ken. Natürlich haben andere Tiere, zum Beispiel Katzen, Hunde, Vögel und so weiter das auch gemerkt und sind weg. Außer denen, die im Käfig waren, die sind dann teilweise gestorben. Deswegen muss man sich nicht um die Tiere während einer Tsunami kümmern.

Ich schäme mich ein wenig sagen zu müssen, dass diese Angelegenheit auf mich relativ wenig oder auch gar keine Wirkung im emotionalen Sinn hatte.

Meine Gründe für meine Aussage sind, dass ich als ewiger und pausenloser Medienempfänger durch die konstanten Katastrophen, Terroranschlägen, Krankheitswellen und anderweitige To-desfälle, die durch die Nachrichten geschildert werden, total unempfindlich auf solche Vorfälle reagiere. Es geht kein Monat vorbei, zumindest nicht in den letzten 2 – 3 Jahren, wo es nicht die eine oder andere Katastrophe gab. Es findet eine Abhärtung des Medienempfängers statt, die ein gewisses Grad von Gleichgültigkeit hervorruft.

Das heißt jedoch nicht, dass ich keine Sympathie für die Betroffenen habe, und ich glaube, es ist auf jeden Fall nötig, den Opfern eine helfende Hand zu reichen. Und wenn man schon keine Tränen über eine solche Tragödie vergießen kann, sollte man zumindest den ihnen gebühren-den Respekt erweisen und nicht wie manche Touristen, den Urlaub in Phuket, trotz herumlie-gender Leichen, fortsetzen und nicht einmal mit dem Retten von Menschenleben oder Aufräu-men des Ortes helfen.

Dankbar bin ich für die Menschen, die uns unmittelbar geholfen haben, uns Wasser und Essen gebracht haben, obwohl wir nichts bei uns hatten, um sie für ihren Einsatz zu belohnen. Ande-ren Leuten wurden sofort Kleidung und Schuhe gebracht, die alles in den Fluten verloren ha-ben.

Es ist erfreulich zu sehen, dass es spontan viele freie Helfer gab, die Tag und Nacht nach Ver-missten gesucht haben und Verletzte betreuten. Ich danke auch dem Hotel-Management, das sofort reagiert hat und alle in Sicherheit brachte. Diese rasche Handlung hat vielen Menschen dort das Leben gerettet.

Ich finde es sehr schlimm. Ich hab gehört, dass Eltern vier Kinder hatten, ein Mädchen und drei Jungs. Jetzt leben nur noch die Eltern und das Mädchen. Eine Schweizer Familie war weit draußen auf dem Meer. Zum Glück hat die Tsunami ihnen nichts gemacht. Die Familie haben wir gekannt, sie ist nachher zu uns gekommen. Meine Mutter kannte eine Frau, die ihren Mann verloren hat.

Betroffenheit war schon vorhanden. Man fühlte sich extrem hilflos, als die Welle kam, da es et-was war, wogegen wir uns als zivilisierte fortschrittliche Welt nicht schützen konnten. In den Momenten nach der Welle fiel einem auf, was einem wirklich wichtig ist im Leben und wie un-wichtig einen auf einmal materielle Dinge erscheinen.

Die Furcht vor einer noch größeren Welle und damit vor dem Tod, brachte einen dazu, alles stehen und liegen zu lassen, um somit sein Leben zu retten. Zugleich dachte man aber auch an die, die es nicht mehr geschafft haben, sich vor der Welle in Sicherheit zu bringen, wie zum Beispiel die Strandverkäufer mit ihren schwer tragbaren Verkaufsständen.

Das wahre Ausmaß der Katastrophe wurde einem dann erst ein paar Tage später bewusst, als man die Möglichkeit hatte, CNN Bilder im TV zu sehen. Dort sah man dann, wie viel Glück die-jenigen hatten, die mit dem Leben davongekommen sind und war extrem betroffen über die Hunderttausende, die dieser fürchterlichen Flutwelle zum Opfer fielen.

Eine Katastrophe, die Tod gebracht hat … Eine Katastrophe, die Familien auseinander gerissen hat …

Ich glaube, die Tsunami hatte einen Grund. Wir sehen jetzt grad nur Schlechtes. Meistens se-hen wir das Gute nicht. Zum Beispiel jetzt sind Thais viel mehr aufmerksam. Aber es ist immer noch traurig. Auch des Königs Enkel ist gestorben. Ob gut oder schlecht, alle haben ein wertes Leben. Diese Katastrophe hat sich wie ein glühendes Eisen in meine Erinnerungen gebrannt. Ich werde das nie vergessen.

Die Flutwelle

Auf Luftmatratzen, Schränken, ja sogar auf Bänken, trieben sie ins weite Meer, manchmal in einer kleinen Tonne, runter brannte die Sonne. Niemand konnte schlafen, weil teilweise die Wellen über dich warfen. Man hatte Angst zu ertrinken, auf den Grund des Ozeans zu sinken. Manchmal sah man Land, doch wie schnell es wieder verschwand nach vielen Wochen auf der weiten See verzweifeln viele vor Heimweh…

Hast du von dem Tsunami gehört? Ich habe zwar keine Opfer zu beklagen, aber ich habe Mit-leid mit den betroffenen Leuten. … Es war kürzlich Kindertag und es war überhaupt nicht lustig, weil alle an die toten Menschen gedacht haben. … Ich habe in den Nachrichten gehört, dass es Kinder gab, die ihre Eltern verloren haben. Du musst dir mal vorstellen, deine Eltern wären tot. Du bist allein, niemand wird dich jemals so lieb haben wie deine Eltern. … Und die Eltern haben auch keine Kinder mehr. Da macht das Leben nicht mehr Spaß. In ein paar Minuten ist dein Le-ben zerstört.

Ich frage mich, für wen die Schicksale schlimmer sind… Für meine Bekannten, die gestorben sind? Für meine Freunde, die überlebten, aber alles sahen? … Sie erlebten die Hölle im Para-dies. Ein Freund von mir wusste, als er am Strand war, dass ein Tsunami kommen würde. „Ach-tung, da kommt ein Tsunami! Rennt alle auf das höher liegende Hotel!“ Manche gingen mit, doch viele beschimpften ihn: „Panikmacher! Ich bin schon zehn Jahre in Thailand. So was gibt’s nicht.“

Wo bist du? Jetzt wo wir dich brauchen? Warum hast du es geschehen lassen, dass über 150.000 Menschen gestorben sind? Was hast du den unschuldigen Menschen angetan? Wo ist deine Liebe? Tausende von Fragen und keine Antwort! Trauer, Tränen, Tod. Aber manche hatten auch Glück im Unglück. Weil irgendetwas sie aufgehalten hat. Wir dürfen nicht nur trauern. Wir müssen uns auch freuen mit denen, die überlebt haben. Denn nur Trauer bringt Verzweiflung! Helfen und Aufmuntern ist hier notwendig!




 
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