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07.02.2003

Christen im Irak

Nur wenige Menschen in Europa wissen, dass es im Irak Christen gibt. Ihre Situation ist äußerst schwierig.

Vergessen und verschwiegen? - Christen im Irak

In den Medien, auch in den evangelischen Kirchenzeitungen, war bislang so gut wie nichts darüber zu erfahren, dass es im Irak Christen gibt. Dabei befindet sich hier eine christliche Kirche, die ihre Traditionen seit 2000 Jahren in ungebrochener Kontinuität fortführt und die sich heute noch auf aramäisch, der Sprache Jesu, verständigt.
Das Selbstverständnis, die älteste christliche Kirche der Welt zu sein und für die ununterbrochenen Kette der Weitergabe des Glaubens unter schwierigsten Bedingungen zu stehen, weicht jedoch zunehmend einer bedrückenden Angst vor der Zukunft. Wie lang christliches Gemeindeleben im Irak noch aufrecht erhalten werden kann, ist ungewiss - gibt es doch für viele auf Grund des Embargos buchstäblich kein Weizenmehl mehr, mit dem sie das Brot fürs Abendmahl bereiten könnten. Irakische Kirchen wurden und werden möglicherweise weiter durch Bomben zerstört. Viele Gemeinden können sich schon deshalb nicht mehr versammeln, weil ihre Mitglieder in andere Länder fliehen mussten.
Das seit über einem Jahrzehnt wirksame Wirtschafts- und Handelsembargo gegen den Irak hat zu einer dramatischen Verschlechterung der wirtschaftlichen und sozialen Situation der Bevölkerung, insbesondere der Kinder, der Jugendlichen und der Alten geführt. In Basra leben heute nur noch 1.000 christliche Familien. Vor dem irakisch-iranischen Krieg von 1980 waren es 3.000. Die größte irakische Exilgemeinde befindet sich heute in Detroit/USA, wo insgesamt etwa 250.000 irakische Christen leben. Heute schon sind die Hälfte der irakischen christlichen Jugendlichen Analphabeten, weil die Eltern die hohen Schulgebühren nicht mehr bezahlen können oder dem hohen Islamisierungsdruck nachgeben mussten.
Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 hat sich die Situation der irakischen Christen dramatisch verschlechtert: Sie wurden pauschal als Instrumente des Westens diskreditiert, obwohl es ihnen immer wichtig gewesen war, ein positives Bekenntnis zur eigenen Nation unter Beweis zu stellen. Die bittere Quintessenz sowohl aus der alten wie der jüngeren Geschichte: Irakische Christen fühlen sich verlassen und vergessen vom "christlichen Westen".
Auf die schwierigen Lebensbedingungen irakischer Christen weist Dr. Dietrich Werner, theologischer Referent des Nordelbischen Missionszentrums in Breklum, in einem umfassenden Kommentar hin.




 
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