
Titelbild: Harald Oppitz/KNA
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EMW-Jahresbericht 2010/2011: "Populär und prosperierend - Zur pfingstkirchlich-charismatischen Dynamik in Afrika"
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Ein konsequentes Einschreiten gegen den Missbrauch von mehr als
300.000 Kindern, die in bewaffneten Konflikten als Soldaten zum Töten
gezwungen werden, forderte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Manfred Kock.
Es sei bestürzend, wenn sogar zehnjährige Kinder unter Drogen gesetzt und als Kampfmaschinen zum Töten selbst gleichaltriger Spielkameraden abgerichtet würden. "Ein stärkerer Gegensatz zur Botschaft Jesu Christi, der die Kinder in besonderer Weise unter seinen Schutz und Segen stellt, ist kaum vorstellbar. Darum kann uns nicht egal sein, was aus den Kindern dieser Welt wird."
Die Zwangsrekrutierung von Kindersoldaten dürfe nicht als regionales
Problem bestimmter afrikanischer Staaten unterschätzt werden, sagt
Kock. Kindersoldaten kämen in etwa 30 Staaten in vielen Teilen der
Erde zum Einsatz. Sie seien nicht nur besonders leicht durch
Kriegsherren manipulierbar, sondern auch besonders verletzlich. "Was
sie erleiden und anderen antun, zerstört ihr eigenes Leben, selbst
wenn sie bei Kampfhandlungen nicht getötet werden." Kock begrüßte,
dass nach den Statuten des Internationalen Strafgerichtshofes die
Einberufung, das Anwerben und der Einsatz von Kindersoldaten erstmals
als Kriegsverbrechen eingestuft werden. Als weiteren wichtigen Schritt
in die richtige Richtung bezeichnete Kock das Inkrafttreten des
"Fakultativprotokolls zum UN-Kinderrechtsübereinkommen betreffend die
Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten".
Bedauerlich sei, dass das hierin festgelegte Mindestalter von 18
Jahren nur für die zwangsweise Rekrutierung gelte und man sich auf ein
entsprechendes Mindestalter für den freiwilligen Eintritt von Kindern
in Streitkräfte bisher nicht habe einigen können. "Diese
Unterscheidung", so Kock, "ist weder pädagogisch noch psychologisch
nachvollziehbar." Überdies empfinde er die Diskussion um Abgrenzung
zwischen freiwilliger und erzwungener Rekrutierung von Kindern
"gespenstisch". Um der Würde und der Zukunft der Kinder willen sei die
verbindliche Festlegung eines einheitlichen Mindestalters geboten,
betonte Kock.
Kock begrüßte die Schritte, die die Bundesregierung zur noch
ausstehenden Ratifizierung des Protokolls eingeleitet habe. Freilich
habe das Kabinett in seinem am 25. Juni verabschiedeten Gesetzentwurf
den freiwilligen Eintritt in die Bundeswehr bereits ab 17 Jahren
ermöglicht. Im Zusammenhang mit dieser Entscheidung habe man die
Gelegenheit ungenutzt gelassen, in der Frage des
Mindesteintrittrittsalters eine Vorbildrolle auch für andere Staaten
zu übernehmen. Im Blick auf den Aufbau einer schnellen
EU-Eingreiftruppe für Krisenregionen sei unumgänglich, eine
Einheitlichkeit bei den Regelungen der europäischen Staaten
untereinander anzustreben. Zur Zeit kämpften in den Armeen einiger
europäischer Staaten Soldaten unter 18 Jahren, während in anderen eine
strenge Regelung ab dieser Altersgrenze gelte.
Weitere Schritte seien dringend erforderlich, sagte Kock, etwa
hinsichtlich einer effektiven Kontrolle des internationalen Handels
mit Kleinwaffen. "Erst die Verfügbarkeit von modernen Kleinwaffen
ermöglicht ja den Einsatz von Kindern als effizienten Killern." Als
wichtiges Ziel der Entwicklungsarbeit nannte Kock besondere Bildungs-
und Ausbildungsangebote für Kinder, die sich Zwangsrekrutierungen
entziehen wollen. Ihnen müsse man Schutz vor Nachstellungen und
konkrete Hilfestellung zur Verbesserung ihrer Lebensperspektiven
gewähren, sowie Unterstützung bei der Wiedereingliederung in die
Gesellschaft. Wo dies nicht greife, müssten sichere Fluchtorte
geschaffen werden. Nach dem derzeit geltenden deutschem Asylrecht
verhelfe allenfalls die Zwangsrekrutierung durch staatliche Organe zu
einem Flüchtlingsstatus in der Bundesrepublik. Da ein Großteil der
Kindersoldaten aber durch nichtstaatliche Kampftruppen wie Guerilla-
und Befreiungsbewegungen rekrutiert werde, sagte Kock: "Dies ist ein
weiteres Beispiel, bei dem nichtstaatliche Verfolgung der staatlichen
Verfolgung gleichgestellt werden muss."
Manfred Kock dankte ausdrücklich allen Nichtregierungsorganisationen,
die sich für die Ächtung der Zwangsrekrutierung von Kindern einsetzen,
wie etwa auch der "Deutschen Koordination Kindersoldaten". (28.7.03)