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27.05.2010

Gebet mit Überlebenden an Massengrab in Nigeria

Bewegende Augenblick mit "Lebendigen Briefen"

Erzbischof Michael Kehinde Stephen spricht ein Gebet am Massengrab im Dorf Dogonahawa.

Es war ein zutiefst bewegender Augenblick, als sich die Gruppe lebendiger Briefe, die im Namen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) Nigeria besuchte, am 18. Mai an einem Massengrab in Dogonahawa bei Jos im Bundesstaat Plateau zum Gebet versammelte. Ungefähr 323 Menschen aus dem Ort sind bei einem Anschlag im vergangenen März umgekommen und hier begraben worden.

Anfang März waren 501 Menschen, mehrheitlich Frauen und Kinder aus den zwei benachbarten Dörfern Dogonahawa und Bukuru, bei interkommunalen und interethnischen Gewaltausbrüchen im Schlaf überrascht und getötet worden.

Dogonahawa ist ein kleines Dorf, dessen rund 100 Häuser in einem Kreis aneinandergedrängt stehen. Es liegt etwa 11 Kilometer von Jos, der Hauptstadt des Bundesstaates Plateau, entfernt. Die Spuren des Überfalls sind noch überall zu sehen. Die Gemeinschaft ist nur noch ein Geisterdorf mit einer Handvoll Einwohnern.

Einige der Bewohner, die die „Lebendigen Briefe“ in ihrem zerstörten Dorf begrüßten, erklärten, ihr Leben sei seit den tragischen Ereignissen nicht mehr dasselbe.

Lebendige Briefe sind kleine ökumenische Teams, die ein Land besuchen, um den Menschen zuzuhören, aus ihren Erfahrungen zu lernen, miteinander über Konzepte zu diskutieren und zu helfen, Herausforderungen anzugehen, um so Gewalt zu überwinden, Friedensarbeit zu fördern und gemeinsam für den Frieden zu beten. Ein solches Team hat Nigeria vom 15. bis 20. Mai besucht.

Die Gruppe reiste auch in das nahe gelegene Bukuru, das ebenfalls verlassen war. Dort war der Markt angezündet worden und Hunderte von Häusern und Läden zerstört. Auch die Gebäude der Kommunalregierung waren dem Erdboden gleichgemacht. In den meisten betroffenen Vierteln der Kleinstadt hat der Wiederaufbau noch nicht begonnen.

Die Mehrzahl der Teammitglieder konnte ihren Schmerz nicht verbergen, als sie mit Männern, Frauen und Kindern sprachen, die Angehörige verloren haben. Die Gruppe betete an der Stätte des Massengrabes in Anwesenheit zahlreicher Hinterbliebener.

Gemeindevertreter David Jik erzählte den „Lebendigen Briefen“, wie er bei dem Gewaltausbruch seine Kinder und Enkel verloren hat. Die 60-jährige Kumbo Chuwang, die bei dem Überfall verstümmelt wurde, berichtete unter Tränen von dem Angriff auf sie und ihre Familie. Der junge Tebita Danjuma zeigte die Brandwunden an seinem Körper, die er bei dem Feuer davongetragen hat, das zur Zerstörung der Häuser gelegt worden war.

Der anglikanische Bischof der Diözese Bukuru, Jwan B.N. Zhumbes, der das Team zu den Dörfern begleitet hatte, berichtete, dass mehrere Mitglieder seiner Kirche ums Leben gekommen seien. Viele hätten aber entkommen können und sich woanders niedergelassen.

Erzbischof Michael Kehinde Stephen, Leiter des Christenrates von Nigeria, welcher Gastgeber des Teams war, erklärte, die örtlichen Gemeinschaften planten, an der Stätte des Massengrabes ein Ehrenmal aufzustellen.

Früher am Tag hatte die Gruppe das Zentrum für Friedensförderung in Nigeria (CEPAN) besucht, eine interreligiöse Gruppe mit Sitz in Jos. Hadscha Lantana Abdullahi, Muslimin und Programmdirektorin des Zentrums, berichtete, ihre Gruppe habe, insbesondere bei den jungen Leuten, darauf hingearbeitet, dass die verschiedenen ethnischen und religiösen Gemeinschaften in Eintracht miteinander lebten.

Der Vorsitzende der Abteilung der Christlichen Vereinigung von Nigeria für den Bundesstaat Plateau, Erzbischof Ignatius Kaigama von der römisch-katholischen Kirche, begrüßte das Team mit den Worten: Gott will dass wir eins sind. Er sagte weiter, es treffe nicht zu, dass sich Christen und Muslime in diesem Bundesstaat bekämpften. „Nicht die Religionen bekämpfen einander, sondern bestimmte Leute, die den beteiligten Religionen angehören. Zwischen den beiden Religionen herrscht kein Krieg.“

Die „Lebendigen Briefe“ wurden auch am Hauptsitz der Kirche Christi in Nigeria (COCIN) empfangen. In einer Ansprache vor den Delegierten der 74. COCIN-Generalversammlung erklärte Bischof Dr. Robert Aboagye-Mensah aus Ghana, dass Christen sich für Frieden und Versöhnung einsetzen müssten, auch wenn sie verletzt worden seien.

Aboagye-Mensah, der Vizepräsident der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz (AACC) ist, fragte sich, ob die Christen in Plateau gehört hätten, was Gott inmitten der Zerstörung sage, in der sie sich wiedergefunden hätten.

Er stellte die Frage: „Hören wir Gottes Stimme? Was sagt Gott zu uns?“ Und weiter: „Christen sind aufgefordert, für den Frieden zu arbeiten. Frieden und Versöhnung beginnen bei uns selbst. Es ist der Verletzte, der den Prozess des Friedens und der Versöhnung beginnen muss.“

COCIN-Präsident Pfarrer Dr. Pandang Yamsat bestätigte das Engagement der Mitglieder seiner Kirche für den Frieden in den Unruhegebieten – eine Aufgabe, die er als ein prophetisches Zeugnis der Kirche versteht.

Das Team der „Lebendigen Briefe“ bestand aus Kirchenvertreter/innen und ÖRK-Mitarbeitern aus Äthiopien, Deutschland, Ghana, Finnland, Indien, Kenia, Norwegen und der Schweiz.

(Gbenga Osinaike, Herausgeber der Church Times in Lagos, Nigeria, berichtete aus Jos.)

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