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EMW-Jahresbericht 2010/2011: "Populär und prosperierend - Zur pfingstkirchlich-charismatischen Dynamik in Afrika"
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Kostendeckende Erzeugerpreise in Europa sind eine Voraussetzung für einen fairen
Handel mit Afrika
Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), "Brot für die Welt", FIAN und Germanwatch unterstützen die Forderung der Milchbauern nach kostendeckenden Erzeugerpreisen in Deutschland. Der Lieferstopp sei dazu ein legitimes Mittel, nachdem Gespräche mit Molkereien ins Leere gelaufen waren. Zu dem Preisdruck hat nicht zuletzt die von der EU-Kommission durchgesetzte kurzfristige Ausdehnung der Milchquote in der EU um zwei Prozent im April diesen Jahres geführt.
Die Bauern wollen die nun nicht vermarktete Milch möglichst anderweitig zur Nahrungsmittelproduktion verwenden, können aber auch das Wegschütten von Milch nicht
ausschließen.
"Aus ethischen Gründen ist es bedenklich, wenn Nahrungsmittel weggeschüttet werden", sagt Carolin Callenius von "Brot für die Welt". "Auch den Bauern bricht es fast das Herz, wenn sie ihre
Milch nicht mehr abliefern können. Deshalb hoffen wir dass baldmöglichst faire Erzeugerpreise
vereinbart werden." Kostendeckende Preise in der EU und eine auf den europäischen Binnenmarkt ausgerichtete Milchproduktion seien auch eine wichtige Voraussetzung, um Dumpingeffekte in Entwicklungsländern zu verhindern. Bisher haben überschüssige billige EUMilchprodukte häufig lokale Märkte in Entwicklungsländern gestört und dazu geführt, dass auch dort die Milchpreise gesunken sind.
"Untersuchungen in Sambia haben ergeben, dass der Milchpreis im Land vom Preis für importiertes Milchpulver beeinflusst wird", sagt Tobias Reichert von Germanwatch. Höhere Importe
von Milchprodukten gefährden so die Einkommen der Erzeuger. "Die EU plant derzeit eine Produktions- und Exportsteigerung und zwingt zugleich über so genannte Wirtschaftspartnerschaften die Länder Afrikas, ihre Märkte zu öffnen", fügt Armin Paasch von FIAN
Deutschland hinzu. "Diese Mischung aus Dumping und Liberalisierung ist eine akute Bedrohung
für das Menschenrecht auf Nahrung afrikanischer Milchbauern."
"Die Molkereien haben in Schleswig-Holstein den Milchpreis fast um ein Drittel gesenkt. Einige
Molkereien zahlen mittlerweile weniger als dreißig Cent je Liter Milch. Davon kann kein Milchbauer
leben", sagt Bernd Voß, Milchbauer in Schleswig-Holstein und Vorstandsmitglied der AbL. "Wir
unterstützen die Milchbauern des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter bei ihrem
Lieferstreik, damit langfristig ein kostendeckender Erzeugerpreis von mindestens 43 Cent je Liter
erreicht wird. Dafür ist auch ein wichtiger Baustein, die Milchmengenregulierung in der EU flexibel
zu gestalten und Übermengen wirksam vom Markt zu nehmen."