
Titelbild: SeongJoon Cho/Bloomberg/Getty Images
Die "EineWelt" 1/2013 ist jetzt lieferbar! Schwerpunktthema ist "Geteiltes Land - geteilte Hoffnung. Die Ökumene zu Gast bei den Kirchen Südkoreas"
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EMW-Jahresbericht 2011/2012: "Ein Gott. Ein Wort? Die Bibel auslegen und deuten im ökumenischen Miteinander"
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Das Christentum will mit heilender Kraft für Europas Zukunft wirken
12. Vollversammlung der KEK in Trondheim 25.6.-2.7.2003
In der alten Pilgerstadt Trondheim in Mittel-Norwegen trafen sich ungefähr 800 Delegierte aus 126 protestantischen, orthodoxen und altkatholischen europäischen Kirchen zur 12. Vollversammlung der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK). Die 8-tägige Konferenz stand unter dem Thema: "Jesus Christus heilt und versöhnt – unser Zeugnis in Europa". Im Mittelpunkt stand die Diskussion um die Herausforderungen und gesamt-gesellschaftlichen Aufgaben der Kirchen in einem zusammen wachsenden Europa. Vor allem Fragen zur Ost-Erweiterung der EU provozierten immer wieder Debatten, die sich oft um nationale und regionale Identität der Bürgerinnen und Bürger drehten. Während west-europäische Delegierte – trotz Vorbehalte gegenüber Ländern mit einer vom Islam geprägten Vergangenheit – die Ost-Erweiterung eher positiv wahrnehmen, befürchten ost-europäische Kirchenvertreter negative Folgen der Globalisierung für ihre Länder nach einem EU-Beitritt. Von ihnen waren auch warnende Stimmen im Zusammenhang mit dem möglichen EU-Beitritt der Türkei mit Blick auf den Islam zu hören.
Geeinigt haben sich die Mitglieder der KEK darauf, gemeinsam den Herausforderungen der Zukunft zu begegnen. Besondere Aufgaben sehen die Kirchen darin, Europa darin zu unterstützen, friedvolle und gerechte Gesellschaften zu errichten, in denen die Menschenwürde geachtet und "ein fruchtbarer Austausch zwischen den Menschen verschiedener Ländern und Religionen und zwischen unterschiedlichen Kulturen und Religionen" herbeigeführt wird. Im Vordergrund stehen das gemeinsame Eintreten gegen Frauen- und Menschenhandel, für eine menschenwürdige Behandlung von Migrantinnen und Migranten in Europa, für solidarische Beziehungen Europas zu anderen Weltregionen und die Stärkung der sozialen und ökologischen Marktwirtschaft. Konkret sollen sich die Mitgliedskirchen bei den Politikerinnen und Politikern ihrer Länder dafür einsetzen, dass wirtschaftliche Sicherheiten auch für arbeitslose, behinderte, und marginalisierte Bürgerinnen und Bürger geschaffen werden.
Last but not least will sich die KEK für die Vertiefung ökumenischer Beziehungen zwischen allen Kirchen Europas, nicht nur innerhalb der Europäischen Union, einsetzen. Gemeinsam mit dem Rat der Katholischen Bischofskonferenzen Europas (CCEE), soll 2007 eine Dritte Europäische Ökumenische Versammlung für Christinnen und Christen aus Gemeinden und Basisgruppen aller europäischen Regionen und Konfessionen stattfinden.
Um sich im gesamt-kontinentalen ökumenischen Zusammenhang geschwisterlich begegnen zu können, wurde in Trondheim noch einmal unterstrichen, wie wichtig es sei, die charta oecumenica regional und auch lokal stärker mit Leben zu erfüllen.
Neben der ungeklärten Frage, welche Nationalstaaten zu Europa und deswegen "geborene" Mitglieder in der EU sind, bzw. wie weit sich die Gemeinschaft nach Osten und Süd-Osten ausdehnen solle, diskutierten die Delegierten auch die Herausforderung, die durch die Zuwanderung nicht europäisch-stämmiger Neubürgerinnen und -Neubürger auf die Kirchen zukommen, bzw. in einigen Ländern schon Realität sind. So wurde der neu gewählte KEK-Zentralausschuss beauftragt, Vorschläge auszuarbeiten, wie die Repräsentanz der europäischen black and migrant churches in seinen Reihen verbessert werden kann.
Der Themenbereich Entwicklung und Mission außerhalb Europas wurde nicht behandelt. Nicht nur mit der Orthodoxie steht außerdem dringend eine Diskussion über Religionsfreiheit versus illegitime Aufforderung zur Konversion an, die zum Ziel haben muss, Begriffe wie Mission, Evangelisation und Proselytismus zu definieren.
Insgesamt ist die Liste der Arbeitsaufträge lang, die die Vollversammlung der KEK für die kommenden sechs Jahre ins Stammbuch geschrieben hat. Ob die Aufgabenfülle zu bewältigen ist, ohne dass gleichzeitig einerseits mehr Geld in die Kassen der Vereinigung kommt und andererseits mehr Personal zu Verfügung steht, ist allerdings fraglich.
Freddy Dutz, Pressereferentin des EMW, fungierte als Beobachterin während der Vollversammlung.