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15.09.2008

"Die Solidarität der weltweiten Kirche ausdrücken"

ÖRK-Delegation besuchte Georgien und Südossetien

Die Zerstörung georgischer Siedlungen in Südossetien, tiefe Wunden in der Gesellschaft und Kriegsschäden in der Hauptstadt gehörten zu den Eindrücken einer Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), die vom 3. bis 7. September Georgien und Russland besuchte. Diese Erfahrungen verliehen der Besorgnis Dringlichkeit, die Regierungs- und Kirchenvertretern während eines Zusammentreffens in Moskau ausgedrückt hatten.

Dörfer, die Haus für Haus zerstört worden waren, waren das Erste, was die Delegation bei ihrer Ankunft in Südossetien auf der Straße aus dem russischen Nordossetien kommend sah. Ganze Viertel waren ausradiert, in den meisten Fällen durch Beschuss, Feuer oder beides. Die ökumenischen Besucher beobachteten Plünderungen und Brandstiftung, sowie mehrere vollbesetzte Fahrzeuge - vermutlich Bürgerwehren. Zum Zeitpunkt des Besuches war der Krieg offiziell bereits fast einen Monat lang zu Ende.

Vertreterinnen und Vertreter Südossetiens bekundeten vor den Delegierten, sie würden das von verschiedenen Ethnien bewohnte Gebiet niemals zu ihrem Status vor dem Krieg zurückkehren lassen. "Wir haben versucht, mit Georgien Kontakt herzustellen", sagt Alan Pliev, der stellvertretende Außenminister, "aber sie haben uns Soldaten geschickt". Die offiziellen Vertreter verurteilten die georgische Führung und ihre Politik gegenüber Süd-Ossetien aufs Schärfste. Die "Georgien den Georgiern"-Kampagne der frühen 90er Jahre wurde besonders kritisiert, und zwar in den meisten Treffen dort und in Russland.

Zuvor hatte der stellvertretende russische Außenminister Grigory Karasin betont, wie wichtig Frieden zwischen ethnischen Gruppen sei, "damit Südossetien und Abchasien nicht zu mono-ethnischen Staaten werden". Karasin sagte, die politischen Führer der beiden Regionen verstünden dieses Anliegen Russlands, der georgische Angriff Südossetiens sei aber ein Schlag für die Beziehungen zwischen den Ethnien der Region gewesen.

Satellitenfotos zeigen die große Zerstörung der Dörfer in der Nähe von Zchinwali mit überwiegend georgischer Bevölkerung. Die Delegation brachte dies Karasin gegenüber zur Sprache. Er antwortete, Vertreterinnen und Vertreter seiner Regierung sollten die bei Internationalen Gerichtshof in Den Haag von der georgischen Regierung vorgebrachten Fakten überprüfen. Die russische Armee habe strenge Anweisungen, die Plünderungen zu beenden.

"Flüchtlinge haben das Recht, zurückzukehren. Sie sollten zurückkommen, wenn sie wollen", sagte Karasin und fügte hinzu, die Staatengemeinschaft müsse "die richtigen Bedingungen für sie schaffen". Das Verhalten der georgischen Seite habe die russische Militäraktion in Georgien verursacht.

Seitens eines Hilfswerkes der russischen Kirche erfuhr die ÖRK-Delegation in Moskau: "Ein gemeinsames Zeugnis der russisch-orthodoxen und der georgischen orthodoxen Kirche ist in dieser Krise unglaublich wichtig". Margarita Nelyubova, die selbst für christliche Hilfe lange im Kaukasus war, meinte: "Wir können aufgrund politischer Zwänge nicht in Georgien arbeiten, aber wir möchten wissen, wie wir helfen können." Nelyubova ist Mitglied des ÖRK-Zentralausschusses.

"Wir sind hier, um die Solidarität der weltweiten Kirche auszudrücken, und um unsere Kirchen über die Situation zu informieren", sagte Jean-Arnold de Clermont, Pfarrer der reformierten Kirche von Frankreich und Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen, den Gastgebern. Weitere Mitglieder der ÖRK-Delegation waren Metropolit Nifon von Targoviste (rumänische orthodoxe Kirche, nicht bei diesem Treffen dabei), Pfarrer László Lehel (Direktor eines ungarischen Hilfswerkes und Vertreter von ACT International – Kirchen helfen gemeinsam), Pfarrerin Elenora Giddings Ivory und Jonathan Frerichs (Mitarbeitende des ÖRK).

Die Gruppe erzählte, ein baptistischer Pfarrer in Tiflis habe den ÖRK gebeten, "für Reue auf allen Seiten zu beten – für die Fehler, die wir alle begangen haben. Betet für ein Schuldbekenntnis und für Versöhnung". "Was sollten wir bereuen?", fragte Sonia Hubaeva, Beraterin des Präsidenten, und erklärte, ihre Familie hätte unter Missbrauch und Vertreibung aus Zentralgeorgien zu leiden gehabt. Der Bischof einer orthodoxen Diözese, der auch bei dem Treffen anwesend war, sagte, er habe zwanzig Jahre voller Gewalt gegenüber den Ossetiern erlebt, und drei Angehörige seiner Familie seien getötet worden.

Die Delegation konnte nicht von Georgien aus nach Südossetien einreisen. In den Vororten von Zchinwali unternahm die Delegation einen weiteren Versuch, in die Pufferzone um Südossetien zu gelangen, um einen Metropoliten der georgischen orthodoxen Kirche dort zu besuchen, der mit einigen Priestern und Nonnen in der Nähe dort ausharrt. Russische Friedenstruppen sagten, sie seien nicht in der Lage gewesen, der Bitte nachzukommen. Es handelte sich um den zweiten erfolglosen Versuch, die Grenze des Waffenstillstandsabkommens zu überschreiten. Tausende Bewohnerinnen und Bewohner leben vermutlich immer noch in dieser Zone unter unsicheren Bedingungen.




 
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