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15.09.2004

Kurzfassung des thematischen Teils des EMW-Jahresberichtes 2004

Mitgliederversammlung des EMW unter dem Thema: Komm, Heiliger Geist, heile und versöhne.
In Christus berufen, heilende und versöhnende Gemeinschaften zu sein

Auf dem Wege zur Weltmissionskonferenz des ÖRK in Athen, Mai 2005

Vom 9.-16. Mai 2005 wird in der griechischen Hauptstadt Athen die zwölfte so genannte Weltmissionskonferenz stattfinden, die der Ökumenische Rat der Kirchen durchführt. Unter dem Thema „Komm, Heiliger Geist, heile und versöhne. In Christus berufen, heilende und versöhnende Gemeinschaften zu sein“ werden 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus den Mitgliedskirchen des ÖKR, aber auch aus der katholischen Kirche sowie evangelikalen und pentekostalen Kirchen und missionarischen Netzwerken erwartet.

Weltmissionskonferenzen sind wichtige Ereignisse, die den Kirchen in allen Teilen der Welt die Möglichkeit geben, anhand eines thematischen Schwerpunktes über die missionarischen Herausforderungen der Zeit und den missionarischen Auftrag der Kirche nachzudenken. In einem Wort: Weltmissionskonferenzen sind Zeitansage und zugleich Platzanweisung für eine missionarische Kirche.

Die Themenformulierung für die Konferenz von Athen nimmt mit dem Gebet um das neue, heilende und versöhnende Wirken des Heiligen Geistes thematische Aspekte auf, die bei Weltmissionskonferenzen bisher nicht so stark im Vordergrund standen. Die Gründe dafür, warum die Hoffnung auf das Wirken des göttlichen Geistes und die Bedeutung von Heilung und Versöhnung heute im kirchlichen und säkularen Sprachgebrauch eine große Prominenz gefunden haben, sind vielfältig. Die Probleme, mit denen die Welt konfrontiert ist, erscheinen komplex und widersetzen sich einfachen und schnellen Lösungen, so dass die Bitte um den schöpferischen, erneuernden Geist Gottes dringlich wird. Die Globalisierung, von der heute alle Welt spricht, lässt die Welt als ein Dorf erscheinen, bringt aber mit ihren widersprüchlichen Tendenzen auch neue Spannungen und Konflikte hervor. Angesichts zunehmender Gewalt – und ihrer zum Teil religiösen Rechtfertigung – wird die Frage nach der Bedeutung des Evangeliums der Versöhnung laut, und angesichts eines „Wellness“- und Heilungsmarktes auf der einen und der HIV/Aids-Pandemie auf der anderen Seite hat eine missionarische Kirche die Frage nach den heilenden und therapeutischen Dimensionen des Evangeliums zu stellen. Wie kann die christliche Botschaft heute in Wort und Tat so bezeugt werden, dass sie für Einzelne wie für Gesellschaft und die Schöpfung insgesamt als Heilung und Versöhnung erfahren wird? Und: Was können die Kirchen der Welt – etwa die Großkirchen von den pentekostalen Kirchen und umgekehrt – dabei voneinander lernen?

Eine missionarische Kirche wird sich zunächst ihrer Hoffnung auf das Wirken des Geistes Gottes in dieser Welt zu vergewissern haben. Weil der schöpferische, die Welt stets erneuernde Geist Gottes in der Welt heilend und versöhnend präsent ist, ist die Welt nicht einfach sich selbst überlassen. Das universale Wirken des göttlichen Geistes, das auch außerhalb der Kirchenmauern zu beobachten ist, inspiriert die Kirche mit Hoffnung und sendet Christen und Christen als Träger der Hoffnung und Täter und Boten von Versöhnung und Heilung an die Stätten von Unversöhnlichkeit, Krankheit und Tod. Eine missionarische Kirche wird eine geistbewegte, kreative Kirche sein wollen, die sich dem Wirken des Geistes Gottes öffnet und die mit der göttlichen Geist, der bereits heilend und versöhnend in der Welt tätig ist, Schritt halten möchte.

Fragt man nach Konkretionen für diese Mission der Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes, so ist im Sinne des Themas von Athen zunächst darauf hinzuweisen, dass die Kirche bzw. die christlichen Gemeinden vor Ort neu lernen sollten, sich als heilende Gemeinschaften zu begreifen. Die Aufforderung, hinzugehen und zu heilen, war schon bei Jesus Teil seiner missionarischen Sendungsreden. Und es ist daran zu erinnern, dass die Mission in der alten Kirche gerade durch ihren heilenden Dienst, durch Gebet und Bitte für die Kranken und Fürsorge für die Kranken, eine Ausstrahlung hatte, die Menschen anzog. Auch heute, wo die Sorge für die Gesundheit einerseits so professionalisiert ist, wo aber andererseits eine Sehnsucht nach menschlicher Fürsorge und Zuwendung, das Leiden an vielfältigen Wunden, die das Leben den Menschen geschlagen hat, überdeutlich ist, sollte die Kirche sich auf die therapeutische Kraft des Glaubens besinnen und zusammen mit den Leidenden neu Rituale und Liturgien der Heilung entdecken.

Die Kirche, die aus der Versöhnung Gottes mit der Welt in Jesus Christus lebt, wird sich auch fragen müssen, wie sie Botschafterin der Versöhnung in dieser Welt sein kann. Dabei ist, wie viele Konfliktherde zeigen – vor allem Israel/Palästina, aber auch die Erfahrungen in Ländern wie Südafrika sind hier zu nennen -, Versöhnung nicht von der Frage der Gerechtigkeit abzulösen. Auch wird es nicht angehen können, die Versöhnung mit Gott und die Versöhnung von Menschen untereinander gegeneinander auszuspielen. Vielmehr ist die Kirche und sind die christlichen Gemeinden gefragt, in ihrem eigenen Umwelt – im Großen wie im Kleinen – nach Wegen und Strategien zu suchen, das Evangelium von der Versöhnung in Wort und Tat glaubwürdig zu vertreten.

Das Thema der Weltmissionskonferenz von Athen, so lässt sich zusammenfassen, sieht auf den ersten Blick durch die Häufung theologischer Termini abstrakt und weltfern aus. Aber sich einzulassen auf die Suche nach den kreativen Bewegungen des Geistes Gottes in der Welt und als Kirche und Gemeinden mit dem Wort und Dienst der Versöhnung und Heilung nach dem missionarischen Ort und den missionarischen Aufgaben in Kontexten von Unversöhnlichkeit und Heillosigkeit zu fragen, ist die Einladung der Weltmissionskonferenz, die wir gerne annehmen wollen.

Dr. Klaus Schäfer ist Grundsatzreferent im EMW




 
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