
Titelbild: Harald Oppitz/KNA
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EMW-Jahresbericht 2010/2011: "Populär und prosperierend - Zur pfingstkirchlich-charismatischen Dynamik in Afrika"
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Das Evangelische Missionswerk in Südwestdeutschland reagiert auf Kritik auf das Material für den Weltgebetstag 2003
Es gibt aus verschiedenen Richtungen Kritik an den Ausarbeitungen des diesjährigen Weltgebetstags Materials zur Liturgie aus dem Libanon, und anderem von der Konferenz landeskirchlicher Arbeitskreise "Christen und Juden". Diese Äußerungen sind aus folgenden Gründen bedauerlich: Es wurde in der Regel nicht das Gespräch mit Christen aus dem Libanon gesucht, auch nicht mit Christen oder Christinnen in unserer Kirche, die über nähere
Kenntnisse über die Situation der Christen und Christinnen im Libanon verfügen, sondern es wurde über Dritte geredet.
Die Äußerungen richten sich teils gegen die Frauen im Libanon, die diese Liturgie erarbeitet haben, teils gegen das Weltgebetstagskomitee in Deutschland. Oft wird nicht einmal genau gesagt, wen man mit den angesprochenen Punkten kritisieren will.
Das Besondere der Weltgebetstagsliturgien besteht darin, dass sie den Glauben und das Beten von Frauen aus einem je spezifischen Kontext vermitteln und daran teilhaben lassen. Dabei sind in Ländern wie dem Libanon, in dem sich das Christentum in einer viel größeren einheimischen Vielfalt präsentiert als in vielen anderen Ländern, komplexe Prozesse der Annäherung und Verständigung von Vertreterinnen verschiedener Kirchen nötig. Pfarrerin Friederike Weltzien, Pfarrerin der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde zu Beirut, die von den libanesischen Frauen eingeladen worden war, an diesem Prozess teilzunehmen, kann darüber Spannendes berichten.
Wer sich auf dieses Beten einlässt, kann dabei lernen und Neues erfahren, eigene Engführungen im Beten und im Glauben aufbrechen. Denn Theologie und auch die je eigene Frömmigkeit sind mit geprägt durch die Erfahrungen, die Glaubende und betende Menschen machen.
Die Alltagserfahrungen einer Libanesin unterscheiden sich in vieler Hinsicht von der einer Deutschen. Sie sind unter anderem geprägt vom Zusammenleben mit einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit, die Ihren Glauben oft nicht aggressiv, aber doch selbstbewusst artikuliert. Viele Christen, die in solchen Kontexten leben,
betonen daher in ihrem Glauben im Gegenüber zum Islam in viel höherem Maße die Einheit Gottes auch in den einzelnen Personen der Trinität als wir das oft tun. Daraus eine falsche Christologie abzuleiten erscheint weit hergeholt.
Auch die Erfahrungen und die Geschichte mit dem Nachbarland Israel unterscheiden sich von unseren Erfahrungen und unserer Geschichte. Wer das eine nicht wahrhaben will und das andere verabsolutiert, muss hier missverstehen, muss sich aber auch fragen, ob er verstehen will, ob er bereit ist zuzuhören. Dass die Gründung des Staates Israel nicht nur ein rechtmäßiges Geschehen war, sondern
dass dabei unzählige palästinensische Familien mit Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben wurden, haben uns israelische Historiker in den vergangenen Jahren eindrücklich vor Augen geführt. Mit der Benennung dieses Unrechtes stellen die libanesischen Frauen das Existenzrecht des Staates Israel in keiner Weise in Frage. Für die Menschen im Libanon ist der Staat Israel längst eine Realität,
und die Mehrheit wünscht sich nichts sehnlicher als dass es zwischen Israelis und Palästinensern und in der Folge auch mit dem Libanon zu einem gerechten Frieden kommt.
Nach der Ermordung des israelischen Ministerpräsidenten Rabin durch einen israelischen Extremisten im Jahr 1995 konnte man trotz allem erleben, wie viel Friedenshoffnungen sich auf seinen Nachfolger Peres richteten. Was die Libanesen aber statt Frieden erlebten, war ein erneuter Einmarsch der Armee in den Libanon weit über den ohnehin besetzten Südlibanon hinaus. Wiederholte Bombardierungen
Beiruts durch die israelische Luftwaffe schlossen sich in den folgenden Jahren an.
Wer dies ignoriert, oder wer solchen Völkerrechtsbruch durch den Verweis auf Sicherheitsinteressen entschuldigt, wird sich kaum in die Situation der Christinnen hineinversetzen können, die die diesjährige Weltgebetstagsliturgie verfasst haben.
Über die israelische Besatzung des Südlibanon könnte vieles mehr gesagt werden, als von den libanesischen Frauen ausgeführt, zum Beispiel über die fortwährenden Menschenrechtsverletzungen der in dieser Zeit in Israels Sold stehenden Südlibanesischen Armee.
Wer umgekehrt die Hisbollah einzig als Terrorgruppe betrachtet, verkennt ihre tatsächliche Verankerung in der schiitischen Bevölkerungsgruppe und ignoriert nicht nur ihre sonstigen zahlreichen Aktivitäten (Sozialarbeit, ein Krankenhaus, in dem Patienten kostenlos behandelt werden, politische Vertretung im Parlament u.a.), sondern auch die Tatsache, dass sie von allen Gruppen im Libanon als eine ernstzunehmende gesellschaftliche Kraft verstanden wird. Auch mit der Hisbollah muss die notwendige harte Auseinandersetzung politisch geführt werden, wenn Auswege aus der Spirale der Gewalt gesucht werden sollen. Bedauerlicherweise hat
die israelische Regierungspolitik selber mit dem viele Jahre zu spät erfolgten und überstürzten Abzug aus dem Südlibanon die Logik der Gewalt bestätigt, wie sie von Gruppen wie der Hisbollah vertreten wird. Der Abzug erfolgte erst, als der Blutzoll des israelischen Militärs zu einer innenpolitischen Diskussion in Israel geführt hatte. Wer die Verletzungen internationalen Rechts durch das israelische Militär, die von israelischen Friedensgruppen ausführlich dokumentiert werden, nicht wahr haben will, gießt Wasser auf die Mühlen militanter Gruppen.
Die libanesische Geschichte ist vielfältiger und facettenreicher, als sie in der Kürze des vom Deutschen Weltgebetstagskomitee veröffentlichten Materials dargestellt werden konnte. Nicht zuletzt deshalb haben sich unzählige Gemeinden im Vorfeld des Weltgebetstags durch mit dem Libanon vertraute Referenten und
Referentinnen ausführlich informieren lassen. Falls einer der landeskirchlichen Arbeitskreise "Christen und Juden" dieses Gespräch suchen möchte, stehen wir gerne mit Gesprächspartnerinnen zur Verfügung.
Es bleibt allen Veranstaltenden unbenommen, eigene Gebetsanliegen in die Liturgie aufzunehmen. Allerdings sollten Ergänzungen als solche kenntlich sein und mit dem gebotenen Respekt gegenüber den Frauen im Libanon erfolgen, die uns mit dieser Liturgie an ihrem Beten Teilhaben lassen. Auch zu diesen Frauen können gerne Kontakte für Begegnungen vermittelt werden. Solche Begegnungen sind sicher viel versprechender als alle Stellungnahmen.
Andreas Maurer, EMS-Nahostverbindungsreferent
Das EMS unterhält unter anderem eine Partnerschaft mit der National Evangelical Church of Beirut, begleitet und unterstützt die Arbeit der Johann-Ludwig-Schneller Schule im Libanon und bietet in Kooperation mit der Near East School of Theology in Beirut dort ein Studienprogramm für Theologen und Theologinnen an.
Der "EMS-Informationsdienst zur Lage im Nahen Osten" dient der Verbreitung von Nachrichten und Informationen aus dem Nahen Osten. Er hat nicht den Anspruch objektiv oder ausgewogen zu sein. Die Zusammenstellung der Nachrichten ist nicht umfassend sondern bedingt durch die jeweilige Informationslage im Nahostreferat des EMS.
Die einzelnen Beiträge geben nicht die Meinung des EMS wieder.
(Pfarrer Andreas Maurer, Nahostreferent Evang.Missionswerk in Südwestdeutschland e.V.)