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Meldung im Detail

30.03.2010

"Mission ist Treue gegenüber dem eigenen Glauben"

Gemeinsam haben das EMW, die Missionsakademie an der Universität Hamburg, das Missions- und Ökumene-Dezernat des Nordelbischen Kirchenamts und die Evangelische Akademie zu Berlin die Tagung „Schmerzpunkt Mission: Darf man andere Menschen von seiner Religion überzeugen wollen?“ durchgeführt.

Hätte man die Teilnehmenden der Tagung an der Evangelischen Akademie zu Berlin „Schmerzpunkt Mission: Darf man andere Menschen von seiner Religion überzeugen wollen?“ befragt, so wäre die Bejahung der Frage im Titel der Veranstaltung mehrheitlich ausgefallen. Allerdings unter der Bedingung, dass dies „richtig“ zu geschehen habe.

Das, was „richtige“ und „falsche“ Mission sei, hatten die meisten Teilnehmenden für sich entschieden: Mission dürfe nicht aggressiv und bevormundenden sein, müsse die Kultur Andersgläubiger achten. Christoph Anders, Direktor des EMW und einer der Mitveranstalter, ging dies nicht weit genug: „Darf ich als Christ auf dem Menschenrecht der Meinungsfreiheit und dem der Religionsfreiheit auch dann beharren, wenn die Bezeugung des eigenen Glaubens unerwünscht oder sogar verboten ist?“, formulierte er deshalb. Wiederum befragt, hätten nicht alle Gäste mit einem eindeutigen „Ja“ geantwortet.

Mithilfe von Journalistinnen und Journalisten, einem Bio-Neurologen, je einer Kulturwissenschaftlerin und Theologin und Theologen machten sich die Verantwortlichen der Tagung auf „eine Spurensuche“ durch Theorie und Praxis von Mission. Die Schmerzpunkte, die benannt wurden, waren mannigfaltig. „Missionare werden nicht nur für das verantwortlich gemacht, was sie selbst verursacht haben, sondern für all das, was sich als Folgeerscheinung in anderen Kulturen ‚eingeschlichen’ hat.“ Die Kulturwissenschaftlerin Christina von Braun wies neben so handfesten Dingen, wie die Verbreitung von mechanischen Uhren – die Mönche zur Festlegung ihrer Gebetszeiten benötigten – auch auf den Export dessen, was wir heute unter „Säkularisierung“ verstehen, hin. Wenn also „westliche Dekadenz“ in anderen Regionen abgelehnt wird, dann sei es verständlich, dass die Religion, die mit „dem“ Westen in Zusammenhang gebracht wird – das Christentum nämlich – ebenso kritisiert werde, betonte Daniel Bax, Islamfachmann und Journalist bei der TAZ.

Ob Menschen überhaupt von einem anderen Glauben überzeugbar sind, sei gar nicht so sicher, betonte der Neurobiologe Gerald Wolf. Auf der Suche nach einem „Gottes-Gen“ berichtet er davon, dass sich manche Menschen anscheinend leichter von Neuem überzeugen lassen als andere. Er spricht von „spirituell Begabteren“, die sich mit Leichtigkeit auch über „Absurditäten ihrer Glaubenslehre hinweg setzen“. Stimmen aus dem Publikum waren Wolfs Ausführung gegenüber skeptisch und vermuteten, dass ein Glaubenswechsel unter Gesichtspunkten der „höheren Dienlichkeit für den Alltag“ vollzogen werde. Gestützt werde diese These durch historische Erkenntnisse, stimmte die Kulturwissenschaftlerin zu: So wie in früheren Zeiten Christen aus Südeuropa auf Suche nach Arbeit in Nordafrika schon mal muslimisch wurden, haben sich umgekehrt Muslime genauso verhalten.

Unabhängig von der Alltagstauglichkeit von Religionen, werde von Gläubigen ein Festhalten an der eigenen Tradition erwartet, betonte ein Theologe. Und wenn missionarisches Handeln Treue zur Religion voraussetzt, müsse auch akzeptiert werden, dass es Menschen gibt, die ihre Religion – und sogar ihre Religionslosigkeit – behalten wollten, betonte Michael Biehl von der Missionsakademie an der Uni Hamburg, einer der Mitveranstalter der Tagung.




 
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