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EMW-Jahresbericht 2010/2011: "Populär und prosperierend - Zur pfingstkirchlich-charismatischen Dynamik in Afrika"
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Ein Kommentar zum Fall der Mauer aus ökumenischer Sicht
Dr. Stephen Brown, geschäftsführender Redakteur des Ökumenischen Nachrichtendienstes (ENI), hat eine Forschungsarbeit zur Katalysatorrolle des ÖRK-Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung für den Dissens in Ostdeutschland in den 1980er Jahren abgeschlossen. In einem Kommentar verdeutlicht er die Zusammenhänge zwischen dem Mauerfall und dem Ende der Apartheid in Südafrika. Auszüge:
Die politischen und sozialen Schockwellen, die auf die wochenlangen Pro-Demokratie-Proteste in Ostdeutschland und den anschließenden Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 folgten, waren auf der ganzen Welt zu spüren.
Der südafrikanische Theologe John de Gruchy erinnert sich, dass er während seines Sabbatsemesters am Union Theological Seminary in New York gebeten worden war, einige Tage Gastgeber für den Direktor des ostdeutschen Marxistischen-Leninistischen Instituts zu sein. De Gruchy entging die Ironie der Situation nicht: Ein weißer, christlicher Theologe aus dem unter Apartheid lebenden Südafrika, der sich viele Jahre hindurch aktiv als Theologe am Antiapartheidkampf beteiligt hatte, war Gastgeber für einen marxistischen Professor aus Ostdeutschland.
Als der Ostdeutsche und der Südafrikaner dann in New York am Fernsehen die Nachrichten verfolgten, sahen sie Berichterstattungen über die zunehmende Krise in Ostdeutschland und die gleichzeitige Eskalation der Proteste gegen die Apartheid in Kapstadt, de Gruchys Heimatstadt. "Ich wusste, dass dies für die Apartheid der Anfang vom Ende war. […] Denn ohne den Fall der Berliner Mauer 1989 wäre es unwahrscheinlich, dass die Wende in Südafrika zu dem damaligen Zeitpunkt stattgefunden hätte", sagte de Gruchy Jahre später in einer Rede in Leipzig. Leipzig war eines der Zentren der Protestversammlungen in der Deutschen Demokratischen Republik, die jeweils im Anschluss an Friedensgebete in den Kirchen stattfanden.
"Einige behaupteten sogar, diese Ereignisse bildeten den Auftakt zu einer neuen Weltordnung", stellte de Gruchy in seiner Leipziger Rede fest. "Auch wenn wir dieser Behauptung heute etwas skeptischer gegenüberstehen, haben diese Ereignisse zweifelsohne den Gang der Geschichte verändert, egal wie wir sie bewerten."
Der Reflexionsprozess des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung (JPIC) hat in Ostdeutschland eine Katalysatorrolle für den Dissens gespielt. Noch vor der Europäischen Ökumenischen Versammlung 1989 in Basel und der Weltversammlung zu JPIC 1990 in Seoul organisierten die Kirchen in der DDR im April 1989 eine Ökumenische Versammlung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Diese Versammlung formulierte in ihrer Schlusssitzung nie dagewesene Forderungen nach einer Reform der DDR.
Für Werner Jarowinsky, den damaligen Sekretär für Kirchenfragen der kommunistischen Partei, stellten diese Forderungen "ein komplettes Programm für die Einrichtung einer Art Oppositionsbewegung" dar. In der Tat enthielten die Forderungen der ostdeutschen Versammlung Vorlagen für die später im Jahr 1989 gegründeten Bürgerbewegungen und neuen politischen Parteien.
Heute stehen zwei Teile der Berliner Mauer im Garten des Ökumenischen Zentrums in Genf, Schweiz, dem Sitz des ÖRK und anderer ökumenischer Organisationen. Die Mauerteile sind ein Geschenk der ersten frei gewählten Regierung in Ostdeutschland an die Konferenz Europäischer Kirchen als ein Zeichen der Dankbarkeit für die Rolle, die die Kirchen in der friedlichen Revolution gespielt haben.