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24.11.2002

Frauen sollen Verantwortung übernehmen

(LWI) Die Vizepräsidentin des Lutherischen Weltbundes (LWB) für die Region Asien, Pfarrerin Dr. Prasanna Kumari, hat die Frauen dazu aufgerufen, ihre besondere Verantwortung bei Veränderung der Gesellschaft wahrzunehmen. Dies gelte insbesondere mit Blick auf eine Welt, die zunehmend die Schwachen und Machtlosen an den Rand dränge.

Montreux (Schweiz)/Genf, 18. November 2002 (LWI) - Die Vizepräsidentin des Lutherischen Weltbundes (LWB) für die Region Asien, Pfarrerin Dr. Prasanna Kumari, hat die Frauen dazu aufgerufen, ihre besondere Verantwortung bei Veränderung der Gesellschaft wahrzunehmen. Dies gelte insbesondere mit Blick auf eine Welt, die zunehmend die Schwachen und Machtlosen an den Rand dränge, betonte die indische Theologin vor den rund 60 Delegierten der Vorbereitenden Konsultation der Frauen zur Zehnten LWB-Vollversammlung am 15. November in Montreux (Schweiz).
Die Vorbereitende Konsultation der Frauen vom 14. bis 17. November war die erste von insgesamt sieben Vorkonferenzen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung. Neben der Konsultation der Frauen finden fünf Regionale Konsultationen (in Afrika, Asien, Europa, Lateinamerika & Karibik sowie Nordamerika) sowie eine globale Konsultation der Jugend statt. Alle Konsultationen stehen wie die Vollversammlung selbst unter dem Thema: "Zur Heilung der Welt". Die Zehnte LWB-Vollversammlung findet vom 21. bis 31. Juli 2003 im kanadischen Winnipeg statt.
"Gott hat eine gute und schöne Welt geschaffen, wir aber haben sie in einen Marktplatz der Profite und Verluste verwandelt", sagte Kumari. Globalisierung, Armut, Hunger, HIV/AIDS sowie Gewalt in allen Bereichen der Gesellschaft seien ernste Herausforderungen. Sie forderte die Frauen auf, die Verantwortung für die Verbesserung der Lebensumstände in den jeweiligen regionalen Gemeinwesen zu übernehmen. Die Frauen sollten etwas gegen die gegenwärtig düstere Lage der Welt unternehmen. "Wir können uns für das Leben einsetzen", sagte sie im Rahmen ihrer Bibelarbeit zum Thema Heilung in zwischenmenschlichen Beziehungen. Die ehemalige Exekutivsekretärin der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche in Indien (VELKI) ist Pfarrerin der Lutherischen Kirche Arcot in Indien. 1997 wurde Kumari auf den Neunten LWB-Vollversammlung in Hongkong (China) zur LWB-Vizepräsidentin für die Region Asien gewählt.
In allen Lebensbereichen seien heute Heilung und ein ganzheitlicher Ansatz gefordert, betonte Kumari. Obwohl es überall auf der Welt Anstrengungen gäbe, eine bessere und heile Welt zu schaffen, wäre die Gesellschaft doch zunehmend kränker geworden. Dies würden insbesondere Frauen erleben, die täglich mit "Schmerz, Gewalt, Misshandlungen, Schweigen und Unterdrückung" konfrontiert seien.
Für Kumari ist das Thema der Vollversammlung, das vor zwei Jahren beschlossen wurde, heute aktüller als je zuvor. Mit Blick auf die Terroranschläge am 11. September 2001 auf die USA, bei denen über 2.800 Menschen getötet wurden, erklärte sie: "Am 11. September sind die Hoffnungen und Wünsche der Opfer und ihrer Familien auf den Nullpunkt gesunken". Die Anschläge hätten in aller Deutlichkeit gezeigt, dass Gewalt und Hass auf dem Höhepunkt angekommen seien.
Die LWB-Vizepräsidentin stellte die Rechtfertigung eines Krieges gegen den Terrorismus in Frage. "Unter dem Deckmantel der Terrorismusbekämpfung werden Hunderttausende Bürger und BürgerInnen Afghanistans entweder getötet oder vertrieben", betonte sie. Auch im Irak hätten die Wirtschaftssanktionen der westlichen Welt während und nach dem Golfkrieg in den frühen 90er Jahren zum Tod von einer halben Millionen unschuldiger Kinder geführt. In dem Bemühen, Saddam Hussein zu entmachten, seien mehr Kinder gestorben als nach dem Atombombenabwurf 1945 auf Hiroshima (Japan). Sie frage sich, so Kumari, ob man tatsächlich das Ziel erreiche könne, wenn der Preis für die Zerstörung der Massenvernichtungswaffen des Irak die Vernichtung unschuldiger Kinder sei.
Kumari kritisierte auch die Zunahme religiöser Intoleranz. Viele hätten ihre menschliche Würde, ihre Rechte oder ihr Leben aufgrund ihrer Glaubenszugehörigkeit verloren, betonte sie und verwies auf Konflikte in Afrika, Indien und Indonesien. Auch im Nahen Osten gehe die Zerstörung von Leben weiter. Sie berichtete von einer Begegnung mit palästinensischen und isrälischen Frauen, die sich für Frieden in ihrer Region einsetzen. "Sie rufen nach Frieden und gesellschaftlichem Konsens inmitten des Lärms der Panzer und Schüsse. Sie bitten darum, ihre Kinder am Leben zu lassen."
Die fortschreitende wirtschaftliche Globalisierung habe zur Folge, dass zwar die multinationalen Konzerne profitierten, die Schwachen der Gesellschaft würden jedoch weiterhin benachteiligt, erklärte Kumari. Die Randgruppen der Gesellschaft müssten nach wie vor ihre Stimme gegen die neün Regeln einer globalen Wirtschaftsordnung erheben, die auf einer Logik des Wettbewerbs gegründet sei, die sich permanent an möglichst niedrigen Produktionskosten orientiere. Nicht das Leben, nur der Profit bestimme diesen Wettbewerb, so die LWB-Vizepräsidentin. >br> Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine Gemeinschaft lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegründet, zählt er inzwischen 136 Mitgliedskirchen, denen rund 61,7 Millionen der weltweit rund 65,4 Millionen LutheranerInnen in 76 Ländern angehören.
Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz). Das ermöglicht eine enge Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und anderen weltweiten christlichen Organisationen. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. ökumenische Beziehungen, Theologie, humanitäre Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von Missions- und Entwicklungsarbeit.




 
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